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DLSS 5 auf zwei Grafikkarten gleichzeitig – klingt verdächtig nach einem Comeback von SLI. Genau das hat ein Entwickler jetzt mit der sogenannten MGPU Bridge umgesetzt: Eine GeForce-GPU rendert das Spiel, während die zweite Grafikkarte das aufwendige Neural Rendering übernimmt.
Und die ersten Ergebnisse sind ziemlich beeindruckend.
Eine zweite GPU übernimmt DLSS 5
DLSS 5 ist gerade einmal wenige Tage offiziell verfügbar und schon nimmt die Modding-Community Nvidias neue Technik komplett auseinander.
Am 7. September erschien mit MGPU Bridge eine erste vorkompilierte Version eines ReShade-Add-ons, das das Neural Rendering von DLSS 5 auf eine zweite Grafikkarte auslagern kann. Entwickelt wird das Open-Source-Projekt „Neural Coprocessor“ von Marcelo Guibout, der auf GitHub unter „maohgad-web“ aktiv ist.
Das Prinzip ist erstaunlich simpel: Die erste Grafikkarte berechnet das eigentliche Spiel. Anschließend wird der fertige Frame an GPU Nummer zwei weitergegeben.
Dort läuft dann ausschließlich das DLSS-5-Neural-Rendering.
Ist SLI damit wirklich zurück?
Nicht ganz.
Bei klassischem SLI arbeiteten mehrere Grafikkarten gemeinsam an der eigentlichen Berechnung eines Spiels. Bei MGPU Bridge wird dagegen kein Frame zwischen den beiden GPUs aufgeteilt.
Die erste Grafikkarte rendert das Spiel vollständig alleine. Die zweite GPU verhält sich eher wie ein zusätzlicher Beschleuniger für eine einzelne Aufgabe am Ende der Rendering-Pipeline. Der Entwickler selbst betont deshalb ausdrücklich, dass es sich nicht um SLI handelt.
Der Vergleich mit den früheren dedizierten PhysX-Beschleunigern passt technisch also deutlich besser.
Trotzdem: Zwei Grafikkarten in einem Gaming-PC, die gemeinsam für eine höhere Performance sorgen? Ein bisschen SLI-Nostalgie darf da schon aufkommen.
Warum ergibt eine zweite Grafikkarte bei DLSS 5 überhaupt Sinn?
DLSS 5 unterscheidet sich deutlich von klassischen DLSS-Techniken wie Super Resolution oder Frame Generation.

Mit dem neuen 3D-Guided Neural Rendering analysiert ein neuronales Modell das bereits gerenderte Bild und erweitert unter anderem Beleuchtung, Materialien, Haut, Haare und Schatten.
Nvidia beschreibt DLSS 5 deshalb nicht nur als Performance-Technologie, sondern als zusätzlichen Rendering-Schritt für eine realistischere Darstellung.
Das Problem: Dieser zusätzliche KI-Schritt benötigt ordentlich Rechenleistung.
Gerade wenn Neural Rendering auf derselben GPU läuft, die gleichzeitig das komplette Spiel berechnen muss, kann ein großer Teil der durch DLSS Super Resolution gewonnenen Performance direkt wieder verloren gehen.
Genau hier kommt die zweite Grafikkarte ins Spiel.
Zwei RTX 5060 Ti zeigen enorme Unterschiede
Getestet wurde der Ansatz unter anderem mit zwei GeForce RTX 5060 Ti mit jeweils 16 GB VRAM in The Blood of Dawnwalker bei 1.920 × 1.080 Pixeln.
Dabei wurden drei Szenarien miteinander verglichen:
| DLSS-Modus | Neural Rendering aus | Neural Rendering auf Spiel-GPU | Neural Rendering auf zweiter GPU |
| DLAA | 67–70 FPS | 44 FPS | 67–70 FPS |
| Quality | 98–99 FPS | 54–55 FPS | 91 FPS |
| Performance | 127–131 FPS | 59 FPS | 106–107 FPS |
| Ultra Performance | 172 FPS | 69–71 FPS | 157 FPS |
Besonders deutlich wird der Unterschied im Performance-Modus.
Mit Neural Rendering auf derselben RTX 5060 Ti bleiben nur rund 59 FPS übrig. Übernimmt dagegen die zweite RTX 5060 Ti den KI-Schritt, steigt die Framerate der Spiel-GPU auf 106 bis 107 FPS.
Im Ultra-Performance-Modus geht es sogar von rund 70 auf 157 FPS.
Die Zahlen haben allerdings einen wichtigen Haken
Die gemessenen FPS zeigen in erster Linie, wie stark die eigentliche Spiel-GPU entlastet wird.
Spiel und Neural-Rendering-Ausgabe können aktuell mit unterschiedlichen Bildraten arbeiten. 157 FPS auf der Spiel-GPU bedeuten deshalb nicht zwangsläufig, dass auch 157 vollständig durch DLSS 5 bearbeitete Frames auf dem zweiten Monitor landen.
Eine vollständige Messung der gesamten Latenz vom Input bis zum fertigen Bild fehlt ebenfalls noch.
Die Ergebnisse sind also spannend – aber noch kein klassischer GPU-Benchmark.
DLSS 5 begann selbst mit zwei RTX 5090
Das Experiment erinnert außerdem an die ursprüngliche Präsentation von DLSS 5.
Als Nvidia die Technik im März 2026 erstmals zeigte, benötigte das Unternehmen selbst noch zwei GeForce RTX 5090, um das Neural Rendering in Echtzeit auszuführen.
Innerhalb der vergangenen sechs Monate konnte Nvidia die Performance nach eigenen Angaben um den Faktor fünf steigern. Dadurch läuft DLSS 5 inzwischen auf einer einzelnen RTX-5000-Grafikkarte und ist seit Anfang September erstmals offiziell in NBA 2K27 verfügbar.
Dass Enthusiasten jetzt wieder eine zweite GPU einsetzen, um genau diesen Arbeitsschritt auszulagern, hat also durchaus eine gewisse Ironie.
Ganz so einfach ist das Dual-GPU-Setup noch nicht
MGPU Bridge ist momentan noch klar experimentell.
Für den ursprünglich dokumentierten Aufbau werden zwei Grafikkarten, ReShade ab Version 6.8.0 mit Add-on-Unterstützung und ein DirectX-12-Spiel benötigt. Dazu kommt eine ungewöhnliche Voraussetzung: Jede Grafikkarte braucht aktuell ihren eigenen Monitor.
Der Grund dafür ist der Datenweg.
Die zweite GPU gibt das von ihr bearbeitete Bild direkt aus. Dadurch muss der fertige Frame nicht wieder zurück zur primären Grafikkarte übertragen werden.
Ein Betrieb der zweiten GPU ohne eigenen Monitor funktioniert laut Entwickler zwar ebenfalls, reduzierte bei seinen Tests den Durchsatz jedoch um rund 33 Prozent und erhöhte die Latenz deutlich.
Auch Frame Generation, längere Gaming-Sessions und unterschiedliche Konfigurationen sind bisher noch nicht umfassend getestet.
Inzwischen funktioniert sogar RTX 4000 plus RTX 5000
Das Projekt entwickelt sich aktuell extrem schnell.
Während die ursprünglichen Messungen mit zwei RTX-5060-Ti-Grafikkarten entstanden, wurde inzwischen auch eine Kombination aus RTX 4080 Super und RTX 5060 Ti erfolgreich getestet.
Dabei rendert die RTX 4080 Super das Spiel, während die RTX 5060 Ti das Neural Rendering übernimmt. Dafür kam allerdings eine separat modifizierte DLSS-NR-Datei zum Einsatz – es handelt sich also weiterhin klar um ein experimentelles Community-Setup und nicht um offiziell unterstütztes DLSS 5 auf der RTX-4000-Serie.
Gerade die Möglichkeit, irgendwann eine kleinere GPU ausschließlich als KI-Beschleuniger einzusetzen, macht das Ganze aber besonders interessant.
FAQ zu DLSS 5 mit zwei Grafikkarten
Zwei GPUs nur für DLSS 5? Verrückt – aber ziemlich spannend
Eine zweite RTX 5060 Ti nur für DLSS 5 in den Rechner zu stecken, dürfte für die wenigsten Gamer momentan sinnvoll sein.
Dafür ist MGPU Bridge noch zu experimentell, das Setup zu kompliziert und der Hardware-Aufwand schlicht zu groß.
Als technisches Experiment zeigt das Projekt aber etwas ziemlich Spannendes: Neural Rendering muss offenbar nicht zwingend auf derselben GPU laufen wie das eigentliche Spiel.
Vielleicht erleben wir deshalb nicht unbedingt ein echtes SLI-Comeback – dafür aber etwas Ähnliches: eine Zukunft, in der unterschiedliche GPUs wieder unterschiedliche Aufgaben innerhalb eines Gaming-PCs übernehmen.
Und mal ehrlich: Wer hätte Anfang 2026 gedacht, dass wir wenige Monate später wieder über Gaming-PCs mit zwei Grafikkarten diskutieren?


