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Blog Beitragsbild- Force Feedback einstellen

Das Force Feedback richtig einstellen ist einer der wichtigsten Schritte für ein gutes Simracing-Erlebnis. 



Denn selbst die stärkste Wheelbase bringt dir wenig, wenn das Lenkrad permanent gegen dich arbeitet, wichtige Details verschluckt oder jede Bodenwelle wie einen Einschlag behandelt.

Gutes Force Feedback muss deshalb nicht maximal stark sein. Es sollte dir möglichst deutlich vermitteln, was gerade mit Vorderachse, Reifen und Fahrzeug passiert – und genau dabei helfen wir dir in diesem Guide.

Was ist Force Feedback beim Simracing überhaupt?

Force Feedback, kurz FFB, überträgt Kräfte aus der Simulation auf dein Lenkrad. Dadurch spürst du beispielsweise, wie sich die Lenkung in einer schnellen Kurve aufbaut, wann die Vorderreifen anfangen zu rutschen oder wie das Fahrzeug über einen Kerb fährt.

Besonders wichtig ist dabei das sogenannte Self-Aligning Torque. Vereinfacht gesagt versucht die Lenkung durch die Kräfte an den Vorderreifen immer wieder, sich auszurichten. Veränderst du den Lenkwinkel, Grip oder die Belastung der Reifen, verändert sich auch dieses Drehmoment.

Genau diese Veränderungen sind für dich als Fahrer entscheidend. Ein gutes FFB-Setup vermittelt deshalb nicht einfach möglichst viele Vibrationen, sondern lässt dich Gripverlust und Lastwechsel frühzeitig erkennen.

Fühlt sich starkes Force Feedback besser an?

Eine kräftige Direct-Drive-Wheelbase kann beeindruckende Drehmomente erzeugen. Trotzdem solltest du Force Feedback nicht mit einem Krafttraining verwechseln.

Ist die Einstellung zu stark, können feine Unterschiede zwischen verschiedenen Fahrsituationen verloren gehen. Das Lenkrad fühlt sich dann zwar schwer an, liefert dir aber unter Umständen weniger verwertbare Informationen.

Das Ziel lautet deshalb nicht: möglichst viel Drehmoment.

Das Ziel lautet: möglichst viel nutzbarer Dynamikbereich.

Ein leichter Reifenverlust sollte sich anders anfühlen als eine stark belastete schnelle Kurve. Ein kleiner Kerb sollte nicht dieselbe Kraft erzeugen wie ein harter Einschlag. Je besser diese Abstufungen erhalten bleiben, desto realitätsnäher wird dein Force Feedback.

Force Feedback richtig einstellen: So gehst du Schritt für Schritt vor

Ein universelles FFB-Profil für jedes Lenkrad und jedes Rennspiel gibt es nicht. Wheelbase, Lenkradgewicht, Fahrzeug, Simulation und sogar persönliche Vorlieben beeinflussen das Ergebnis.

Mit der richtigen Reihenfolge kannst du trotzdem relativ schnell ein sauberes Grundsetup erstellen.

1. Wheelbase und Lenkrad zuerst korrekt kalibrieren

Bevor du das Force Feedback veränderst, sollten Lenkradmitte und Lenkwinkel stimmen.

Kontrolliere in der Software deiner Wheelbase, ob das Lenkrad korrekt zentriert ist und der komplette Lenkwinkel erkannt wird. Anschließend solltest du das Lenkrad auch innerhalb des Spiels kalibrieren.

Unterstützt die Simulation eine automatische Anpassung des Lenkwinkels an das jeweilige Fahrzeug, kannst du beispielsweise einen großen maximalen Bereich wie 900 oder 1.080 Grad verwenden und das Spiel den tatsächlichen Steering Lock bestimmen lassen.

Entscheidend ist, dass virtuelles und reales Lenkrad möglichst genau übereinstimmen.

2. Maximales Drehmoment der Wheelbase festlegen

Als Nächstes legst du fest, wie viel Kraft deine Wheelbase grundsätzlich erzeugen darf.

Bei weniger starken Wheelbases wird häufig mit einem relativ hohen Hardware-Limit gearbeitet und die eigentliche FFB-Stärke anschließend innerhalb der Simulation eingestellt. 

Bei leistungsstarken Direct-Drive-Systemen gilt allerdings: Stelle zunächst ein Drehmoment ein, mit dem du dein Lenkrad jederzeit sicher kontrollieren kannst. Das maximale technische Drehmoment deiner Wheelbase muss nicht automatisch dein sinnvoller Fahrwert sein.

Danach bleibt dieser Wert zunächst unangetastet. Die weitere Abstimmung erfolgt hauptsächlich im Spiel.

3. FFB Gain im Spiel einstellen

Der wichtigste Regler innerhalb vieler Simulationen heißt FFB Gain, Strength oder schlicht Force Feedback Strength.

Damit skalierst du das vom Spiel erzeugte Signal.

Starte lieber etwas niedriger und erhöhe den Wert anschließend schrittweise. Fahre dafür immer dieselbe Kombination aus Fahrzeug und Strecke und achte besonders auf schnelle Kurven mit hoher Vorderachsbelastung.

Ändere dabei immer nur einen Wert gleichzeitig. 

Force Feedback Clipping: Der wichtigste Fehler beim FFB-Setup

Einer der häufigsten Fehler beim Force Feedback ist Clipping.

Clipping entsteht, wenn die Simulation eine stärkere Kraft ausgeben möchte, als dein aktuelles FFB-Setup darstellen kann. Die Ausgabe erreicht ihr Maximum und kann anschließend keine weiteren Unterschiede mehr darstellen.

Vereinfacht gesagt: Müssen drei unterschiedlich starke Situationen mit demselben maximalen Lenkmoment ausgegeben werden, fühlen sie sich am Lenkrad plötzlich nahezu identisch an.

Warum ist Clipping so problematisch?

Stell dir eine schnelle Kurve vor. Mit zunehmender Belastung der Vorderreifen sollte auch das FFB stärker werden.

Erreichst du jedoch bereits relativ früh die maximale Ausgabe, kann dein Lenkrad zusätzliche Kräfte nicht mehr differenzieren. Genau dort verlierst du Informationen.

Das Ergebnis wirkt paradox: Du reduzierst die FFB-Stärke und bekommst anschließend mehr Details.

Einige Simulationen besitzen deshalb sogar eigene FFB-Anzeigen oder automatische Funktionen zur Bestimmung eines passenden Strength-Werts. 

In iRacing zeigt beispielsweise ein Force-Meter an, wenn das Signal sein Maximum erreicht. Dort wird ausdrücklich empfohlen, dauerhaftes Clipping während normaler Fahrsituationen zu vermeiden.

Kurze Spitzen bei starken Kerbs oder Unfällen sind dagegen deutlich weniger problematisch.

Welche Force-Feedback-Einstellungen sind wichtig?

Je nach Hersteller heißen die einzelnen Regler unterschiedlich. Ihre Funktion lässt sich jedoch meistens auf einige grundlegende Kategorien reduzieren.

EinstellungWas verändert sie?Empfehlung
FFB Strength / GainGesamtstärke des FFBSo hoch wie nötig, ohne dauerhaftes Clipping
DamperDämpft schnelle LenkradbewegungenNur so viel wie nötig
FrictionErzeugt zusätzlichen LenkwiderstandEher sparsam verwenden
InertiaSimuliert zusätzliches GewichtVor allem bei leichten Wheels interessant
Interpolation / FilterGlättet das FFB-SignalMöglichst niedrig beginnen
Minimum ForceVerstärkt sehr schwache KräfteVor allem für schwächere Wheels
Road EffectsVerstärkt Boden- und Kerb-EffekteEher niedrig einstellen
Steering LockMaximaler LenkwinkelMit Spiel/Fahrzeug abstimmen

Die genaue Bezeichnung kann sich von Wheelbase zu Wheelbase unterscheiden. Das Grundprinzip bleibt jedoch gleich.

Wie viel Damping solltest du einstellen?

Damping ist besonders bei Direct-Drive-Wheelbases wichtig. Es bremst schnelle Bewegungen des Lenkrads und kann dadurch ein ruhigeres und kontrollierteres Verhalten erzeugen.

Zu wenig Damping kann dazu führen, dass das Lenkrad nervös reagiert oder auf Geraden zu schwingen beginnt. Zu viel Damping macht die Lenkung dagegen träge und kann schnelle Reaktionen sowie kleine Details abschwächen.

Damping gegen Lenkrad-Oszillationen

Beginnt dein Lenkrad auf einer Geraden selbstständig nach links und rechts zu schwingen, solltest du zunächst die Gesamtstärke und anschließend die Dämpfung überprüfen.

Eine etwas höhere Dämpfung kann solche Oszillationen deutlich reduzieren. Auch zusätzliche Reibung kann helfen, sollte aber erst danach eingesetzt werden.

Das Lenkrad sollte sich trotzdem weiterhin frei genug bewegen können, damit du ein ausbrechendes Heck schnell abfangen kannst.

Was machen Friction und Inertia?

Friction beziehungsweise Reibung erzeugt einen zusätzlichen Widerstand beim Drehen des Lenkrads. Dadurch kann sich die Lenkung mechanischer oder schwerer anfühlen.

Für historische Fahrzeuge ohne Servolenkung kann das beispielsweise interessant sein. Bei modernen GT- oder Formelautos solltest du damit dagegen vorsichtig umgehen.

Inertia simuliert zusätzliche Massenträgheit. Besonders kleine und leichte Lenkräder können dadurch etwas natürlicher wirken.

Beide Einstellungen verändern allerdings das ursprüngliche Signal. Beginne deshalb möglichst niedrig und erhöhe sie nur, wenn dir im Fahrgefühl tatsächlich etwas fehlt.

Wie stark sollte der FFB-Filter sein?

Direct-Drive-Wheelbases können sehr schnelle und detaillierte Signale wiedergeben. Manche Simulationen liefern allerdings ein vergleichsweise grobes oder unruhiges FFB-Signal.

Genau hier kommen Interpolation beziehungsweise FFB-Filter zum Einsatz.

Sie glätten die Ausgabe und können unangenehm kantige Kräfte reduzieren. Gleichzeitig kann eine zu starke Filterung das Lenkrad weniger direkt wirken lassen.

Starte deshalb möglichst niedrig. Erhöhe den Filter nur so lange, bis störende Härte oder digitales Rattern verschwinden.

Bei einigen Wheelbases kannst du zusätzlich die Intensität besonders schneller Force-Effekte regulieren. Damit lassen sich harte Spitzen reduzieren, ohne die komplette FFB-Stärke abzusenken.

Brauchst du Minimum Force bei einer Direct-Drive-Wheelbase?

Minimum Force hebt besonders schwache Kräfte im FFB-Signal an.

Pedale fürs Simracing vor weißem Hintergrund

Das kann bei älteren Zahnrad- oder schwächeren riemengetriebenen Lenkrädern hilfreich sein. Durch interne Reibung und geringes Drehmoment können kleine Kräfte dort ansonsten kaum spürbar sein.

Bei einer Direct-Drive-Wheelbase ist Minimum Force normalerweise nicht notwendig. Die kleinen Kräfte können bereits direkt vom Motor dargestellt werden.

Eine unnötig hohe Minimum-Force-Einstellung kann das Signal sogar unnatürlicher machen und Oszillationen begünstigen. Auch für Direct-Drive-Systeme wird deshalb häufig eine lineare Ausgabe ohne künstliche Anhebung kleiner Kräfte empfohlen.

Solltest du Kerbs, Straße und andere FFB-Effekte hochdrehen?

Viele Rennspiele bieten zusätzliche Regler für Kerbs, Straßenoberflächen, Gras oder andere Effekte.

Gerade beim ersten Einstellen wirken hohe Werte beeindruckend. Das Lenkrad vibriert bei jeder Bodenwelle und vermittelt scheinbar unglaublich viele Informationen.

Dabei handelt es sich allerdings nicht immer um tatsächlich aus der Lenkungsphysik berechnete Kräfte.

Weniger Effekte können mehr Informationen bedeuten

Zusätzliche Road Effects können wichtige Informationen über Vorderachsgrip und Lenkkräfte überdecken.

Für ein möglichst klares Force Feedback solltest du solche Effekte deshalb zunächst niedrig einstellen oder sogar komplett deaktivieren. Anschließend kannst du sie langsam erhöhen, wenn dir beispielsweise Kerbs oder Unebenheiten zu wenig präsent sind.

Das Ziel ist nicht, dass dein Lenkrad permanent beschäftigt ist. Du möchtest genau die Informationen erkennen können, die dir beim Fahren helfen.

So erkennst du ein gutes Force-Feedback-Setup

Ein gutes FFB-Setup fühlt sich nicht zwingend spektakulär an. Dafür wird das Verhalten des Fahrzeugs vorhersehbarer.

Du solltest merken, wie sich die Belastung in schnellen Kurven aufbaut. Verliert die Vorderachse Grip, sollte sich das Lenkrad entsprechend verändern. Beginnt das Heck auszubrechen, muss das Lenkrad schnell genug reagieren, damit du gegenlenken kannst.

Gleichzeitig sollte die Wheelbase auf einer Geraden ruhig bleiben und nicht permanent selbstständig oszillieren.

Wenn deine Arme nach wenigen Runden erschöpft sind, du aber kaum unterscheiden kannst, wann deine Reifen Grip verlieren, ist mehr FFB-Stärke wahrscheinlich nicht die Lösung.

Diese Reihenfolge funktioniert für fast jedes FFB-Setup

Wenn du ein neues Rennspiel installierst oder auf eine andere Wheelbase wechselst, musst du nicht sofort jeden einzelnen Regler verändern.

Arbeite dich stattdessen immer in derselben Reihenfolge durch das Setup:

  1. Lenkrad zentrieren und kalibrieren.
  2. Lenkwinkel korrekt einstellen.
  3. Sicheres maximales Wheelbase-Drehmoment festlegen.
  4. FFB Gain im Spiel einstellen.
  5. Clipping kontrollieren.
  6. Damping gegen unnötige Bewegungen abstimmen.
  7. Filter nur bei Bedarf erhöhen.
  8. Friction und Inertia vorsichtig ergänzen.
  9. Zusätzliche Road Effects zuletzt einstellen.

Anschließend fährst du mehrere Runden und veränderst immer nur einen Parameter.

So kannst du tatsächlich beurteilen, was eine Änderung bewirkt.

Muss Force Feedback für jedes Auto neu eingestellt werden?

Nicht zwingend – aber es kann sinnvoll sein.

Ein Formelwagen mit sehr direkter Lenkung fühlt sich vollkommen anders an als ein Straßenfahrzeug oder ein Rennwagen ohne Servolenkung. Einige Simulationen bilden diese Unterschiede bereits sehr gut über die Physik ab.

Andere Titel erlauben zusätzlich fahrzeugspezifische FFB-Einstellungen.

Dein grundlegendes Wheelbase-Profil solltest du dabei möglichst beibehalten. Passe zunächst nur die Ingame-Stärke des jeweiligen Fahrzeugs an. Dadurch musst du nicht bei jedem Fahrzeugwechsel dein komplettes FFB-Setup neu aufbauen.

Mehr FFB-Kraft ist nicht das Ziel – mehr Kontrolle schon

Force Feedback richtig einstellen bedeutet vor allem, unnötige Kräfte aus dem Signal herauszuhalten. Ein sauber abgestimmtes Lenkrad zeigt dir, was mit deinem Auto passiert, bevor du es ausschließlich auf dem Bildschirm erkennen kannst.

Beginne mit einem neutralen Setup, verhindere dauerhaftes Clipping und füge Dämpfung, Filter oder zusätzliche Effekte nur dort hinzu, wo du sie tatsächlich brauchst.

Dann wird aus einem starken Lenkrad auch ein präzises Werkzeug.

Wie stark fährst du dein Force Feedback – und bevorzugst du ein besonders direktes Wheel Setup oder etwas mehr Dämpfung? Schreib es uns gerne in die Kommentare!

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