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Blog Beitragsbild - Seasonic 80+ Ruby

Ein klassisches ATX-Netzteil erreicht erstmals 80 PLUS Ruby: Mit dem PRIME ENTERPRISE RX-1600 hat Seasonic ein 1.600-Watt-Netzteil durch die derzeit höchste Stufe des 80-PLUS-Programms gebracht. 



Besonders interessant ist dabei nicht allein der Wirkungsgrad unter hoher Last – Ruby nimmt erstmals auch sehr niedrige Lastbereiche ab fünf Prozent genauer unter die Lupe.

Damit könnte die neue Effizienzklasse langfristig auch für High-End-Gaming-PCs, Workstations und lokale KI-Systeme interessant werden. Denn gerade extrem leistungsfähige Rechner benötigen zwar enorme Leistungsreserven, verbringen aber längst nicht jede Minute unter Volllast.

Wann erscheint das Seasonic PRIME ENTERPRISE RX-1600?

Seasonic gab die erfolgreiche 80-PLUS-Ruby-Zertifizierung am 18. August 2026 bekannt. Das PRIME ENTERPRISE RX-1600 gehört zur neuen Enterprise-Serie des Herstellers, die im vierten Quartal 2026 starten soll. Einen konkreten Veröffentlichungstermin oder Preise für die einzelnen Modelle gibt es bislang nicht.

Mit seinen 1.600 Watt richtet sich das RX-1600 in erster Linie an leistungsstarke Workstations, Multi-GPU-Konfigurationen und AI-Systeme. 

Die Enterprise-Familie wurde bereits zur Computex 2026 gezeigt und soll ATX-Netzteile stärker auf professionelle GPU-Workloads und hohe Leistungsdichten ausrichten.

Seasonic knackt 80 PLUS Ruby mit beeindruckenden Messwerten

Wichtig ist die genaue Formulierung: Das PRIME ENTERPRISE RX-1600 ist nicht das erste Ruby-zertifizierte Netzteil überhaupt. Die neue Zertifizierung wurde ursprünglich insbesondere für Netzteile in Rechenzentren entwickelt.

Seasonic erreicht jedoch als erster Hersteller 80 PLUS Ruby mit einem internen ATX-Netzteil im 115-Volt-Testverfahren. Genau das macht das RX-1600 für klassische Desktop- und Workstation-Systeme so interessant.

Im Zertifizierungstest erreichte das Netzteil folgende Wirkungsgrade:

LastAusgangsleistung beim RX-1600Ruby-Vorgabe bei 115 VSeasonic RX-1600
5 %80 W85 %88,88 %
10 %160 W91 %93,35 %
20 %320 W93 %95,38 %
50 %800 W95 %95,27 %
100 %1.600 W91 %92,81 %

Besonders auffällig: Den höchsten Wirkungsgrad erzielt das RX-1600 nicht bei halber Auslastung, sondern bereits bei 20 Prozent Last. Dort wurden 95,38 Prozent Effizienz gemessen. Selbst bei lediglich 80 Watt Ausgangsleistung bleibt das Netzteil mit 88,88 Prozent deutlich oberhalb der vorgeschriebenen 85 Prozent.

Die Zertifizierung erfolgte bei 115 Volt. Das Netzteil selbst ist für Eingangsspannungen zwischen 100 und 240 Volt ausgelegt, die zertifizierten Messergebnisse lassen sich daher nicht einfach eins zu eins auf den Betrieb am deutschen 230-Volt-Netz übertragen.

Was bedeutet 80 PLUS Ruby?

Das 80-PLUS-Zertifikat bewertet, wie effizient ein PC-Netzteil Wechselstrom aus der Steckdose in die vom Rechner benötigte Gleichspannung umwandelt. Je höher der Wirkungsgrad, desto weniger Energie geht bei dieser Umwandlung verloren.

Ein Netzteil mit 90 Prozent Wirkungsgrad muss beispielsweise rund 111 Watt aufnehmen, um dem PC 100 Watt bereitzustellen. Die übrigen rund elf Watt werden hauptsächlich als Wärme abgegeben. Steigt die Effizienz, sinken entsprechend Stromaufnahme und Abwärme.

80 PLUS Ruby bildet inzwischen die höchste Stufe des Programms. Die entscheidende Neuerung liegt allerdings nicht nur in einem zusätzlichen Prozentpunkt bei hoher Auslastung.

Ruby führt erstmals eine verbindliche Effizienzanforderung bei nur fünf Prozent Netzteillast ein.

80 PLUS Ruby vs. Gold, Platinum und Titanium

Für das in Deutschland relevante 230-Volt-EU-Testverfahren für nicht redundante Netzteile sehen die Anforderungen folgendermaßen aus:

Zertifizierung5 % Last10 % Last20 % Last50 % Last100 % Last
80 PLUS Gold90 %92 %89 %
80 PLUS Platinum92 %94 %90 %
80 PLUS Titanium90 %93 %95 %91 %
80 PLUS Ruby85 %91 %94 %96 %92 %

Ruby setzt sich damit in praktisch jedem geprüften Bereich noch einmal oberhalb von Titanium ab. Bei 20, 50 und 100 Prozent Last steigt die Mindestanforderung jeweils um einen Prozentpunkt. Bei zehn Prozent müssen es 91 statt 90 Prozent sein.

Viel entscheidender ist jedoch die neue 5-Prozent-Messung. Gold und Platinum besitzen nicht einmal eine vorgeschriebene Prüfung bei zehn Prozent Last. Titanium führte diese erstmals ein, Ruby geht nun noch eine Stufe weiter.

Warum wird die Effizienz bei niedriger Last immer wichtiger?

Ein 1.600-Watt-Netzteil klingt zunächst nach einem Gerät, das ständig enorme Mengen Energie durch den Rechner schiebt. In der Realität benötigen leistungsstarke Systeme ihre maximale Leistungsreserve aber häufig nur für kurze Zeit.

Bei einem 1.600-Watt-Netzteil entsprechen:

  • 5 Prozent Last nur 80 Watt
  • 10 Prozent Last 160 Watt
  • 20 Prozent Last 320 Watt

Ein High-End-PC mit extrem leistungsfähiger Grafikkarte kann unter Gaming-, Rendering- oder AI-Last mehrere hundert Watt benötigen. Sobald diese Komponenten jedoch nichts zu tun haben, sinkt der Verbrauch drastisch.

Genau hier entsteht ein Problem für sehr große Netzteile: Sie müssen genügend Reserven für enorme Spitzenlasten besitzen und gleichzeitig effizient arbeiten, wenn der Rechner gerade nur einen Bruchteil dieser Leistung benötigt.

Bei klassischen Gaming-PCs lässt sich das teilweise umgehen, indem das Netzteil passend dimensioniert wird. 

High-End-Hardware schwankt stark zwischen Idle und Volllast 

Bei Workstations und professionellen AI-PCs ist das schwieriger. 

Mehrere leistungsstarke GPUs oder Beschleuniger können unter Last enorme Leistung verlangen und gleichzeitig dafür sorgen, dass ein entsprechend großes Netzteil für Spitzenlasten eingeplant werden muss.

Die tatsächliche Auslastung kann während Modellberechnungen, Rendering, Datenvorbereitung oder zwischen einzelnen Jobs jedoch stark schwanken. Deshalb wird die Effizienz abseits der üblichen 20-, 50- und 100-Prozent-Punkte zunehmend relevant. 

Seasonic selbst nennt genau diese stark wechselnden Lasten moderner Desktop-, Workstation- und AI-Systeme als einen der Gründe für die Entwicklung solcher Netzteile.

Was bringt ein effizienteres Netzteil?

Ein höherer Wirkungsgrad bedeutet zunächst einmal weniger Verlustleistung. Das spart nicht nur Strom, sondern reduziert gleichzeitig die Wärme, die innerhalb des Netzteils abgeführt werden muss.

Der Unterschied zwischen einzelnen Zertifizierungen klingt mit wenigen Prozentpunkten zunächst klein. Bei leistungsstarker Hardware kann sich daraus jedoch einiges ergeben.

Nehmen wir ein System, das dem Netzteil 800 Watt Ausgangsleistung abverlangt. Die Mindestanforderung eines 80-PLUS-Gold-Netzteils liegt im europäischen 230-Volt-Test bei 50 Prozent Last bei 92 Prozent Effizienz.

Bei 92 Prozent Wirkungsgrad wären für 800 Watt Ausgangsleistung etwa 870 Watt aus der Steckdose nötig.

Mit den 96 Prozent, die Ruby an diesem Lastpunkt verlangt, wären es nur rund 833 Watt.

Das sind rund 36 Watt weniger Verlustleistung. Würde ein entsprechendes System acht Stunden täglich mit dieser konstanten Last laufen, entspräche die Differenz rechnerisch mehr als 100 kWh pro Jahr.

Weniger Stromverbrauch und weniger Abwärme 

Bei einem einzelnen Gaming-PC wird sich deswegen niemand über Nacht reich sparen. Bei dauerhaft ausgelasteten Workstations oder ganzen Rechenzentren werden solche Unterschiede dagegen schnell relevant.

Weniger Verlustleistung bedeutet außerdem weniger Abwärme. Dadurch muss das Netzteil weniger Wärme abführen, was wiederum Lüfterdrehzahl und Anforderungen an die Kühlung reduzieren kann.

Bedeutet 80 PLUS Ruby automatisch ein besseres Netzteil?

Nein. Ein Punkt wird bei 80-PLUS-Zertifizierungen gerne übersehen: 

Das Siegel bewertet in erster Linie den Wirkungsgrad an festgelegten Lastpunkten und bestimmte Anforderungen an den Leistungsfaktor.

Es sagt nicht automatisch aus, dass ein Netzteil insgesamt hochwertiger ist als jedes Gold-, Platinum- oder Titanium-Modell. Schutzschaltungen, Spannungsregulation, Ripple, Lautstärke, verwendete Komponenten, Anschlüsse, Garantie und der Umgang mit schnellen Lastwechseln müssen separat betrachtet werden.

Ein gut konstruiertes 80-PLUS-Gold-Netzteil kann deshalb für einen Gaming-PC die deutlich sinnvollere Wahl sein als ein überdimensioniertes High-End-Modell mit höherem Effizienzsiegel.

Ruby erweitert vor allem den Bereich, in dem Hersteller eine bestimmte Effizienz nachweisen müssen.

Braucht dein Gaming-PC ein 80-PLUS-Ruby-Netzteil?

Für einen normalen Gaming-PC: nein.

80 PLUS Gold bleibt für viele Gaming-Systeme ein sinnvoller Ausgangspunkt. Platinum und Titanium können bei leistungsstarker High-End-Hardware, langer täglicher Nutzung oder besonders hohen Ansprüchen an Effizienz interessant werden.

Das PRIME ENTERPRISE RX-1600 spielt dagegen in einer anderen Liga. Mit 1.600 Watt richtet es sich an Konfigurationen, bei denen sehr hohe Leistungsreserven tatsächlich benötigt werden – etwa professionelle Workstations, Multi-GPU-Systeme, Overclocking und lokale AI-Rechner.

Interessant ist Ruby für Gamer trotzdem. Neue Effizienzklassen starten häufig dort, wo Aufwand und Kosten zunächst weniger entscheidend sind. Die technischen Lösungen können anschließend ihren Weg in kleinere und günstigere Netzteile finden.

80 PLUS Ruby könnte die nächste Netzteil-Generation prägen

Mit dem PRIME ENTERPRISE RX-1600 zeigt Seasonic vor allem, dass sich der Fokus bei High-End-Netzteilen verändert. Es reicht künftig nicht mehr, nur bei 50 oder 100 Prozent Last möglichst effizient zu arbeiten. Ein modernes Netzteil muss auch dann wenig Energie verschwenden, wenn ein extrem leistungsfähiger Rechner gerade fast nichts tut.

Gerade mit immer stärkeren GPUs, lokalen KI-Workstations und Systemen mit hohen kurzfristigen Leistungsspitzen könnte dieser breite Effizienzbereich zunehmend wichtiger werden.

Für die meisten Gaming-PCs bleibt Ruby vorerst Luxus. Technisch ist die neue 5-Prozent-Anforderung aber wahrscheinlich der interessanteste Schritt, den das 80-PLUS-Programm seit Titanium gemacht hat.

Was wäre dir bei einem High-End-Netzteil wichtiger: maximale Effizienz auch im Idle oder ein möglichst gutes Preis-Leistungs-Verhältnis mit 80 PLUS Gold oder Platinum? Schreib uns deine Meinung gerne in die Kommentare!

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